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Feb 08

Tauschkasten von Patricia Kaufmann

Möbel

Analyse

Als Grundlage für dieses Einzelprojekt steht die Auseinandersetzung mit den traditionellen Luzerner Möbeln, welche früher in den Zunfthäusern genutzt wurden. Sie sind einzigartig in Ihrer Vielfallt von Gestaltungselementen wie Furniere, Intarsien, Schnitzereien und Vergoldungen. Der Kabinettschrank erhält durch seine schweren Flügeltüren, die vielen Schubladen und die schmuckvollen Verzierungen grosse Aufmerksamkeit. Wertvolle Gegenstände und wichtige Dokumente wurden in ihnen aufbewahrt. Der Charakter der Aufbewahrung und Archivierung kommt bei dem traditionellen Kabinettschrank zum Ausdruck. Dinge wurden bewusst und fest verstaut und die Möbel machen für den heutigen Betrachter den Anschein, als würden sie die wertvollen Dinge für immer in sich verschliessen.

Das Möbel entstand in einem multidisziplinären Semesterprojekt an der Hochschule Luzern – Design & Kunst.

Möbel

Konzept

Heute bezeichnet der Begriff Sammeln meist die systematische Suche, Beschaffung und Aufbewahrung von Dingen oder Informationen. Der Wissensaustausch bildet eines der Kernthemen im MehrZweckWerk. Mit dem Möbel wird die Idee von Sammeln, Ordnen und Austauschen in eine räumliche Dimension übertragen. Das Möbel besitzt einen ordnenden Charakter und unterstützt den aktiven Austausch. Es ist kein einfaches Materialarchiv sondern vielmehr eine Sammlung von Objekten oder Teilstücken, welche mit einer speziellen Fertigungstechnik oder Verfahren bearbeitet wurden. Die „Tauschkisten“  werden mit Objekten von Mitgliedern des MehrZweckWerks bespielt aber auch mit Informationen von Aussenstehenden. Es entsteht ein reger Austausch zwischen Informationen, Ideen und Inspirationen. Gutes wird nicht nur einfach im Schrank versorgt sondern für die Weiterentwicklung offen gelegt. Ideen bleiben am Leben. Die Interaktion zwischen Nutzer und Möbel wird durch Form und Konstruktion unterstützt. Im Gegensatz zu den historischen Kabinettschränken, die eine Rückseite besitzen und immer zu einer Wand hin positioniert sind, steht dieses Möbel frei im Raum. Es gibt kein Hinten und kein Vorne, Die Tragende Konstruktion tritt in den Hintergrund und die Kisten sind von allen vier Seiten ersichtlich. Es können so keine Gegenstände mehr in der dunklen Tiefe des Möbels in Vergessenheit geraten. Die Kisten werden bei diesem Möbel an der Grundkonstruktion aufgehängt und werden zum benützen ganz ausgehängt. Durch die mittige Position der Metallstange und die Schlitzförmige Öffnung in der Kiste, wird die Stange umhüllt und die eigentliche Konstruktion tritt in den Hintergrund. Dadurch, dass die Kisten in vier verschiedenen Positionen eingehängt werden können, verändert sich die Form des Möbels durch die Nutzung. Sind alle Kisten untereinander gehängt, scheint die Form geschlossen, dreht man die Kisten um 90°, 180° oder 270° verändert sich die Form des Möbels. Es entsteht einen Einblick in die darunter liegende Kiste. Diese mögliche Öffnung der kubischen Form in eine freiere Struktur, soll zum Herausnehmen und Durstöbern anregen.